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Aktuelles zum Thema

Regulatorik, Marktbewegung und konkrete Produkt-Updates rund um digitale Souveränität – kompakt eingeordnet, mit Quelle.

16. Oktober 2026

Studie: Drei von vier größeren Mittelständlern sehen hohe technische Abhängigkeit

Laut einer Herstellerstudie bewerten 72 % der Unternehmen mit 500–999 Beschäftigten ihre technische Abhängigkeit als hoch – wechseln wäre für viele aufwendig.

72 % der Unternehmen mit 500 bis 999 Beschäftigten stufen ihre technische Abhängigkeit von IT-Anbietern als hoch oder sehr hoch ein. Das ist ein Ergebnis der Studie „Digitale Souveränität 2026“ des Softwareherstellers easy software, die der Anbieter am 6. Oktober 2026 in einer Pressemitteilung vorgestellt hat. Befragt wurden im Mai 2026 online 312 IT- und Fachentscheider in der DACH-Region.

Dass ein Wechsel schwerfällt, zeigen weitere Zahlen: Nur 34 % halten den Wechsel eines zentralen IT-Anbieters für sehr oder eher einfach. Als größte Hürden nennen 38,1 % komplexe Systemlandschaften und 37,5 % Budget und Migrationskosten. 31 % würden für mehr Souveränität höhere Kosten akzeptieren. Knapp 40 % wollen Sovereign-Cloud-Lösungen stärker nutzen, 54,3 % wünschen sich mehr Einblick in Zugriffs- und Betriebsprotokolle solcher Plattformen.

Die Zahlen stammen von einem Anbieter mit eigenem Interesse an dem Thema und beruhen auf einer überschaubaren Stichprobe. Als Stimmungsbild sind sie brauchbar, als Marktzahl nicht. Praktisch bedeutet das: Wer Abhängigkeiten abbauen will, kommt mit einem schrittweisen Vorgehen weiter als mit dem Austausch der gesamten Landschaft.

Redaktioneller Hinweis: Herstellerstudie, Methodik nur aus der Pressemitteilung bekannt. Die Zahlen liegen in zwei Veröffentlichungen vor, beide gehen auf dieselbe Mitteilung zurück, es gibt keine unabhängige Bestätigung. Die Studie selbst (Executive Summary) wurde nicht geprüft.

Quelle: easy software AG, Pressemitteilung, 6. Oktober 2026; Beitrag von Marcel Etzel (CPTO), it-daily.net, 8. Oktober 2026

11. Oktober 2026

openDesk 1.19: Whiteboard und neues Sicherheitsprofil – Betreiber müssen manuell migrieren

openDesk 1.19 bringt ein Whiteboard und passt alle Komponenten an das Profil PSS-Restricted an – Betreiber müssen von Hand migrieren.

Die Büro- und Kollaborationssuite openDesk liegt seit dem 1. Oktober 2026 in Version 1.19 vor, am 6. Oktober folgte der Patch 1.19.1. Neu ist das Whiteboard „NeoBoard“ für gemeinsames Arbeiten in Echtzeit. Es ist nach der Installation zunächst abgeschaltet und muss bei Bedarf aktiviert werden. Schwerpunkt des Releases ist laut Projekt das Profil „PSS-Restricted“: Alle Komponenten wurden angepasst, um dessen Anforderungen innerhalb der openDesk-Architektur zu erfüllen.

Für Betreiber ist das Update nicht trivial. Das Projekt verlangt eine manuelle Migration nach den Hinweisen im openCode-Repository. Außerdem wurden die Signaturschlüssel für Container-Images und Helm-Charts rotiert, die alten gelten nicht mehr, Prüfprozesse müssen umgestellt werden. Bei bestehenden OpenProject-Projekten lässt sich die neue Mehrfachzuordnung zu Versionen aktivieren, danach nicht mehr zurücknehmen. Der Patch 1.19.1 behebt einen Fehler im Chat, der Anmeldungen auf neuen Geräten blockieren konnte, und das Projekt empfiehlt, so früh wie möglich zu aktualisieren.

Für Unternehmen gilt: Wer openDesk selbst oder über einen Dienstleister betreibt, sollte das Update samt Migration einplanen. Wer erst prüft, ob openDesk passt, sieht an den Releases, wie aktiv das Produkt gepflegt wird.

Quelle: openDesk, Blogbeiträge zu 1.19 (1. Oktober 2026) und 1.19.1 (6. Oktober 2026)

8. Oktober 2026

Bitkom-Umfrage: 90 Prozent der Unternehmen fordern DSGVO-Reform

Neun von zehn Unternehmen halten eine Reform der DSGVO für nötig – die Hälfte sieht den Datenschutz als Bremse für KI-Projekte.

Neun von zehn Unternehmen in Deutschland wünschen sich eine Reform der Datenschutz-Grundverordnung. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Bitkom Research unter 605 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, die der Digitalverband Bitkom Ende September 2026 veröffentlicht hat. 41 Prozent halten eine Reform für sehr notwendig, nur 5 Prozent sehen keinen Bedarf.

Als größte Belastung nennen laut Bitkom 84 Prozent die Dokumentationspflichten. 92 Prozent beschreiben den Umsetzungsaufwand als hoch, 71 Prozent berichten von mehr Aufwand als im Vorjahr. Die Hälfte der Unternehmen sagt, dass Datenschutz den KI-Einsatz behindert. 89 Prozent wünschen sich weniger Dokumentation bei risikoarmer Datenverarbeitung, 85 Prozent eine Bündelung der zersplitterten deutschen Datenschutzaufsicht.

Auf EU-Ebene liegt mit dem „Digital Omnibus“ seit November 2025 ein Vorschlag der EU-Kommission vor, der auch Änderungen an der DSGVO vorsieht. Beschlossen ist er nicht, er befindet sich im Gesetzgebungsverfahren.

Für den Mittelstand heißt das: Die geltenden Pflichten bleiben vorerst unverändert. Wer Cloud- oder KI-Dienste auswählt, sollte auf Anbieter setzen, die Dokumentation und Auftragsverarbeitung sauber abbilden. Das spart genau den Aufwand, den die befragten Unternehmen kritisieren.

Redaktioneller Hinweis: Dass der Digital Omnibus noch nicht verabschiedet ist, bestätigen Bitkom (September 2026) und netzpolitik.org. Den genauen aktuellen Verhandlungsstand (Positionen von Rat und Parlament, Trilog) konnten wir nicht aus zwei aktuellen Quellen bestätigen.

Quelle: Bitkom, September 2026

2. Oktober 2026

openDesk öffnet Partnerprogramm für private Cloud- und IT-Dienstleister

Seit dem 23. September 2026 können erstmals auch privatwirtschaftliche Anbieter openDesk offiziell als Cloud-Service oder Integrationsleistung anbieten.

Unternehmen können openDesk künftig über akkreditierte private Dienstleister beziehen: Das Zentrum Digitale Souveränität (ZenDiS) hat am 23. September 2026 ein Partnerprogramm gestartet, das sich erstmals ausdrücklich an privatwirtschaftliche Cloud-Anbieter und IT-Dienstleister richtet. Bisher lief die souveräne Office- und Kollaborationssuite vor allem über öffentliche IT-Dienstleister.

Zum Start gibt es drei Kategorien. „Official Distributors“ beliefern Cloud-Provider und IT-Händler. „Approved Sovereign Service Provider“ bieten openDesk als SaaS an und müssen dafür laut ZenDiS ein BSI-C5-Testat und SEAL-Level 3 nachweisen. „Approved System Integrators“ übernehmen On-Premises-Installationen und brauchen belegbare Open-Source- und Kubernetes-Erfahrung. Eine Kategorie für Beratungspartner soll in den kommenden Wochen folgen. Für die „Approved“-Stufen gibt es ein offizielles Akkreditierungsverfahren, da ZenDiS vollständig in Bundesbesitz ist.

ZenDiS begründet den Schritt mit der anhaltend hohen Nachfrage aus Verwaltung und Privatwirtschaft seit dem Marktstart von openDesk im Oktober 2024. Damit ist das Programm, dessen Start ZenDiS im Sommer für den Herbst angekündigt hatte, jetzt tatsächlich offen für Bewerbungen.

Für mittelständische Unternehmen heißt das: Wer eine Alternative zu Microsoft 365 sucht, kann openDesk nun über geprüfte Partner mit definierten Sicherheitsnachweisen betreiben lassen. Vor einer Entscheidung lohnt sich trotzdem der Blick darauf, welche Partnerkategorie ein Anbieter tatsächlich erfüllt.

Quelle: ZenDiS / openDesk, September 2026

30. September 2026

Signaturschlüssel offengelegt: openDesk-Betreiber sollten auf Version 1.19.0 wechseln

Bei openDesk sind die Schlüssel zur Signatur von Container-Images und Helm-Charts versehentlich öffentlich geworden – die inzwischen erschienene Version 1.19.0 behebt das.

Wer openDesk selbst betreibt, sollte zeitnah auf die inzwischen veröffentlichte Version 1.19.0 aktualisieren und Komponenten bis dahin nur aus offiziellen Quellen beziehen. Das empfiehlt das openDesk-Team in einem Sicherheitshinweis vom 23. September 2026. Bei der Modernisierung der CI/CD-Pipeline wurden die Schlüssel, mit denen Container-Images und Helm-Charts signiert werden, versehentlich offengelegt.

Betroffen sind laut openDesk alle Versionen vor 1.19.0; die neue Version nutzt neu erzeugte Schlüssel. Hinweise auf eine tatsächliche Kompromittierung gibt es nach Angaben des Projekts bisher nicht. Das Risiko: Dritte könnten mit dem alten Schlüssel manipulierte Pakete so signieren, dass sie echt wirken.

Der Vorfall fällt in einen Monat mit vielen Updates. Allein im September erschienen mit 1.18.1, 1.18.2 und 1.17.4 drei Wartungs- und Sicherheitsreleases, zwei davon wegen einer Nextcloud-Schwachstelle.

Für Unternehmen zeigt der Fall, was souveräner Betrieb praktisch bedeutet: Open-Source-Software macht unabhängig von US-Anbietern, verlagert aber die Verantwortung für Patch-Management und Lieferkettensicherheit ins eigene Haus oder zum Dienstleister. Wer openDesk, Nextcloud oder vergleichbare Lösungen einsetzt, braucht einen festen Update-Prozess und sollte Signaturprüfungen nicht nur aktivieren, sondern auch überwachen.

Quelle: openDesk, September 2026; openDesk-Blog (Release Notes 1.19.0, 26. September 2026)

28. September 2026

Bis zu 5 Millionen Euro: BMDS fördert souveräne Digitalprodukte von KMU

Mit „Digital-Tech-to-Product“ fördert das Bundesdigitalministerium marktnahe Entwicklungen in KI, Daten, Cybersicherheit und Cloud – Projektskizzen bis 11. Oktober 2026.

KMU und Start-ups können beim Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) bis zu 5 Millionen Euro pro Projekt für die Entwicklung souveräner digitaler Produkte beantragen. Das Förderprogramm „Digital-Tech-to-Product“ startete am 17. September 2026. Projektskizzen für den ersten Förderaufruf müssen bis zum 11. Oktober 2026 eingereicht werden.

Gefördert werden vier Technologiefelder: Künstliche Intelligenz, Datenökosysteme, Cybersicherheit und Kryptografie sowie Cloud- und Edge-Computing. Im Cloud-Bereich nennt das BMDS unter anderem interoperable Cloud-Stacks, europäische Lieferketten und Confidential Computing. Die Technologien sollen bis zur Marktreife (Technology Readiness Level 8) entwickelt werden. Laut dem Start-up-Portal Startbase ist die geringere Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern ein zentrales Auswahlkriterium.

Das Verfahren ist zweistufig und läuft über das Portal easy-Online, Projektträger ist TÜV Rheinland. Die Projekte dauern höchstens 24 Monate und starten frühestens am 1. Januar 2027. Die Förderquote hängt von Projektart und Antragsteller ab.

Für Mittelständler, die eigene Software oder Cloud-Dienste entwickeln, ist das Programm eine Chance, Souveränität als Produktmerkmal zu finanzieren. Die knappe Frist spricht dafür, jetzt zu prüfen, ob ein Vorhaben passt.

Quelle: BMDS, September 2026

25. September 2026

Bitkom fordert klare Souveränitäts-Kriterien bei EU-Vergaberechtsreform

Bitkom: Digitale Souveränität entscheidet sich auch beim größten Kunden Europas – dem Staat.

Der Digitalverband Bitkom hat die von der EU-Kommission vorgeschlagene Reform des digitalen Vergaberechts grundsätzlich begrüßt, fordert aber europaweit einheitliche Kriterien für digitale Souveränität bei öffentlichen Ausschreibungen. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst wird mit der Aussage zitiert, ob Europa digital souveräner werde, entscheide sich auch am Beschaffungsverhalten der öffentlichen Hand als Großkunde. Der Verband mahnt, die Reform müsse genutzt werden, um praxistaugliche Standards für die Resilienz staatlicher Institutionen zu verankern – uneinheitliche nationale Kriterien würden sonst Rechtsunsicherheit schaffen und eine sinnvolle Abwägung von Aufwand und Nutzen erschweren.

Für Unternehmen, die öffentliche Aufträge anstreben oder mit der öffentlichen Hand zusammenarbeiten, ist das ein Hinweis darauf, dass sich die Kriterienlandschaft für "digitale Souveränität als Vergabekriterium" in den kommenden Monaten weiter ausdifferenzieren dürfte – mit noch nicht absehbarem Ausgang der Verhandlungen.

Quelle: Bitkom e. V., Pressemitteilung, ca. 8.–12. September 2026

21. September 2026

Deutschland offiziell im europäischen Digital-Commons-Konsortium – mit ZenDiS-Beteiligung

Deutschland ist jetzt offiziell Teil des europäischen Digital Commons EDIC – mit Unterstützung von ZenDiS.

Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) hat am 16. September 2026 bekräftigt, dass Deutschland gemeinsam mit Frankreich, den Niederlanden und Italien Gründungsmitglied des "Digital Commons European Digital Infrastructure Consortium" (Digital Commons EDIC) ist. Das Konsortium selbst geht auf den Souveränitätsgipfel vom November 2025 zurück und wurde von der EU-Kommission Ende Oktober 2025 formal genehmigt – die aktuelle Mitteilung ist daher keine Neugründung, sondern die offizielle Bekräftigung von Deutschlands Rolle und der praktischen Umsetzung.

Bemerkenswert für unseren Kontext: Laut BMDS werden die Sovereign Tech Agency und das Zentrum für Digitale Souveränität der öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) das Konsortium mit ihrer Expertise unterstützen. Ziel des mit Sitz in Paris angesiedelten Konsortiums ist es, offene, interoperable digitale Infrastruktur europaweit zu bündeln – als Reaktion darauf, dass laut Digital-Strategy-Angaben der EU-Kommission über 80 % der in Europa verwendeten digitalen Technologien weiterhin von außereuropäischen Anbietern stammen. Luxemburg, Slowenien und Polen nehmen als Beobachter/Kandidaten teil.

Quelle: BMDS, Pressemitteilung 55/2026, 16. September 2026; Europäische Kommission, Digital Strategy, digital-strategy.ec.europa.eu

Juli 2026

Bitkom-Leitfaden: Cloud-Souveränität ist keine Alles-oder-Nichts-Frage

Neuer Bitkom-Leitfaden setzt auf risikobasierte Cloud-Souveränität statt vollständiger Unabhängigkeit.

Mit dem Leitfaden „Cloud-Souveränität praktisch umsetzen“ liefert der Digitalverband Bitkom eine differenzierte Handlungsanleitung für Unternehmen: Im Mittelpunkt steht nicht das abstrakte Ideal vollständiger technologischer Unabhängigkeit, sondern ein risikobasierter Ansatz. Unternehmen sollen ihre kritischen Systeme, Daten und Prozesse kennen, Abhängigkeiten bewusst bewerten und daraus passende Maßnahmen ableiten – etwa offene Standards, Multi-Cloud-Strategien, belastbare Exit-Szenarien und den gezielten Aufbau interner Kompetenzen. Der Leitfaden ist bewusst als „lebendes Dokument“ angelegt, das mit der technischen und regulatorischen Entwicklung mitwächst.

Dieser risikobasierte Ansatz deckt sich mit einer Position, die in der Debatte oft zu kurz kommt: Digitale Souveränität muss kein Komplett-Umstieg sein, sondern eine Frage bewusster, informierter Entscheidungen an den Stellen, wo Abhängigkeit tatsächlich ein Risiko darstellt.

Quelle: Bitkom e. V., Leitfaden „Cloud Souveränität praktisch umsetzen“, Juli 2026

Anfang 2026

BSI definiert erstmals konkrete Kriterien für Cloud-Souveränität (C3A)

Mit dem C3A-Kriterienkatalog gibt es erstmals eine konkrete Messlatte für souveräne Cloud-Anbieter.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat Anfang 2026 mit dem Kriterienkatalog „Criteria Enabling Cloud Computing Autonomy“ (C3A) erstmals konkrete Anforderungen definiert, anhand derer sich die Souveränität eines Cloud-Anbieters bewerten lässt. Der Katalog macht deutlich: Souveränität bedeutet mehr als ein deutscher oder europäischer Firmensitz – entscheidend sind Jurisdiktion, tatsächlicher Betriebsort und nachweisbare, überprüfbare Kontrolle über die eigene Sicherheitsinfrastruktur. Der Digitalverband Bitkom hat die Kriterien in einem eigenen Positionspapier aufgegriffen und für einen risikobasierten, anwendungsfallbezogenen Bewertungsansatz plädiert statt für pauschale Ausschlusskriterien.

Für Unternehmen, die einen Cloud-Anbieter auswählen oder ihren bestehenden Anbieter überprüfen wollen, liefert C3A damit erstmals eine handfeste, offizielle Grundlage – statt sich auf Marketingaussagen einzelner Anbieter verlassen zu müssen.

Quelle: BSI, C3A-Kriterienkatalog, Anfang 2026; Bitkom, Positionspapier „Kriterien für Cloud-Souveränität in Europa“, 2026

September 2026

Schweizer Bundeskanzlei bringt 3.000 Arbeitsplätze auf openDesk

Die Schweiz macht ernst: 3.000 Behörden-Arbeitsplätze wechseln zu openDesk statt Microsoft 365.

Die Schweizerische Bundeskanzlei hat am 2. September 2026 grünes Licht für ein eigenes Programm zum digital souveränen Arbeitsplatz gegeben: Ab Ende 2027 sollen rund 3.000 Beschäftigte die Open-Source-Suite openDesk statt Microsoft 365 nutzen. Grundlage der Entscheidung ist eine Machbarkeitsstudie mit 172 Testpersonen, die zeigt, wo der Umstieg funktioniert – und wo Microsoft-Produkte laut einer begleitenden Studie der Zürcher Fachhochschule und der Berner Fachhochschule aktuell noch technisch überlegen sind. openDesk kann Microsoft 365 demnach noch nicht vollständig ersetzen, wird aber als ernstzunehmende Alternative für einen Großteil der Arbeitsplätze eingestuft.

Für Unternehmen ist das ein bemerkenswertes Signal: Ein ganzes Land testet den Umstieg nicht aus Kostengründen allein, sondern explizit mit Blick auf die Frage, wer im Ernstfall Zugriff auf staatliche Daten hat. Der differenzierte Studien-Befund – funktioniert teilweise, aber nicht überall – ist dabei realistischer und glaubwürdiger als eine reine Erfolgsmeldung.

Quelle: Schweizerische Bundeskanzlei, Machbarkeitsstudie PoC BOSS, 2. September 2026; drweb.de, September 2026

September 2026

Zehntausende ungepatchte Exchange-Server: Microsoft-Sicherheitslücken werden zum Dauerthema

Fast 22.000 Exchange-Server weltweit sind aktuell ungeschützt – kein Einzelfall, sondern Muster.

Aktuell sind laut der Shadowserver Foundation weltweit rund 21.900 Microsoft-Exchange-Server ungepatcht über das Internet erreichbar und damit für die Schwachstelle CVE-2026-62911 angreifbar – ein deutlicher Teil davon in Deutschland. Das ist kein isoliertes Ereignis: Allein der August-2026-Patchday behob rund 400 Sicherheitslücken, darunter 42 kritische und drei bereits aktiv ausgenutzte Zero-Days. Im Juli waren es sogar über 1.100 Schwachstellen inklusive Chromium/Edge. Auch neuere Produkte sind betroffen – im August wurde mit „CoSnitch“ eine kritische 0-Click-Schwachstelle in Microsoft 365 Copilot bekannt, über die sich Unternehmensdaten unbemerkt abgreifen ließen, sowie eine mit dem Höchstwert 10,0 bewertete Lücke in Entra ID.

Für Unternehmen bedeutet das: Sicherheitslücken bei zentraler Infrastruktur wie E-Mail-Servern, Identitätsmanagement oder KI-Assistenten sind kein Randthema, sondern ein wiederkehrender, planbarer Kostenfaktor – kontinuierliches Patch-Management, Monitoring und im Zweifel eine kritische Prüfung der eigenen Abhängigkeit von einem einzelnen, sehr großen Angriffsziel.

Quelle: Shadowserver Foundation / BornCity, September 2026; Microsoft Patch Tuesday Reports, Juli/August 2026

August 2026

openDesk erreicht Version 1.18 — geteilte E-Mail- und Kalender-Konten

openDesk 1.18 bringt eines der umfangreichsten Updates seit Langem.

Mit Version 1.18 hat ZenDiS eines der umfangreichsten openDesk-Updates der letzten Zeit veröffentlicht. Neu ist unter anderem die Möglichkeit, E-Mail- und Kalenderkonten im Team gemeinsam zu nutzen – ein Feature, das bislang eine der häufigsten Lücken gegenüber klassischen Microsoft-Umgebungen war. Für Unternehmen, die eine Migration auf europäische Alternativen prüfen, ist das ein relevantes Signal: Die Funktionslücke zwischen souveränen Suiten und etablierten US-Anbietern wird kontinuierlich kleiner. Gerade bei Team-Postfächern (z. B. info@- oder support@-Adressen) war das bisher ein häufiger Show-Stopper in Migrationsgesprächen.

Quelle: openDesk-Blog, August 2026

Juli 2026

ZenDiS-Vertriebspartnerprogramm: Onboarding startet im Herbst 2026

Private IT-Dienstleister können ab Herbst 2026 offiziell openDesk vertreiben.

Das im Frühjahr 2026 angekündigte ZenDiS-Vertriebspartnerprogramm nimmt konkrete Form an: Das Onboarding privater IT-Dienstleister ist für Herbst 2026 terminiert. Das neue Modell ist zweistufig aufgebaut – Distributoren übernehmen Partnerbetreuung und Marktentwicklung, IT-Dienstleister bauen darauf eigene Angebote als SaaS oder On-Premises-Lösung auf. Damit wird openDesk erstmals systematisch auch außerhalb der öffentlichen Verwaltung vertreibbar. Für den Mittelstand bedeutet das: Der Zugang zu souveränen Arbeitsplatzlösungen wird spürbar einfacher, weil sich mehr spezialisierte Anbieter etablieren.

Quelle: nevercodealone.de / ZenDiS, Juli 2026

2026

Lünendonk-Studie 2026: 83 % sehen „Kill-Switch“-Risiko, nur 14 % haben eine Exit-Strategie

Neue Studie zeigt große Lücke zwischen Risikobewusstsein und tatsächlicher Vorbereitung.

Die Lünendonk-Studie 2026 („Digitale Souveränität – Vom Risiko zur Resilienz“) liefert eine der deutlichsten Zahlen zum Thema: 83 % der befragten Unternehmen in der DACH-Region halten die einseitige Abschaltung von Cloud-Diensten durch geopolitische Konflikte oder außereuropäische Sanktionen für ein reales Risiko. Gleichzeitig verfügen aktuell nur 14 % über eine dokumentierte, belastbare Exit-Strategie. Diese Lücke zwischen Risikobewusstsein und tatsächlicher Vorbereitung dürfte in den kommenden Monaten zum zentralen Argument für Unternehmen werden, ihre Abhängigkeit von einzelnen (meist außereuropäischen) Anbietern aktiv zu reduzieren – unabhängig davon, ob regulatorischer Druck von außen kommt oder nicht.

Quelle: Lünendonk & Hossenfelder, 2026